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Reform Judaism, Fall 2002 – Vol. 31/1

 

Israel und die Palästinenser

Warum die Palästinenser den Medienkrieg gewinnen



Ein Interview mit David Bedein/ Deutsche Übersetzung: Viola Oberrauch
David Bedein leitet seit 1987 die in Jerusalem ansässige Nachrichtenagentur „Israel Resource News Agency", die ausländische Medien mit Agenturmeldungen beliefert. Er war außerdem Sonderberichterstatter für die BBC, CNN-Radio, die Los Angeles Times und das wöchentlich erscheinende israelische Nachrichtenmagazin Makor Rischon. Das Interview mit ihm führte Aron Hirt-Manheimer, Redakteur von Reform Judaism.

Vertreten Sie auch die Ansicht derer, die behaupten, „die Palästinenser haben an der Medienfront bessere Arbeit geleistet als die Israelis"?

 

Ja. In den letzten 20 Jahren haben die Palästinenser die Israelis durch ihre Strategie der Präsentation des Konflikts in den Weltmedien ausmanövriert. Der Wendepunkt kam 1982 im Libanon-Krieg. Die Palästinenser starteten damals eine Propaganda-Kampagne, in der sie sich selbst als Verfechter der Menschrechte darstellten und die Israelis als Menschenrechtsverletzer. Zur selben Zeit benutzte Jassir Arafats Bruder, Dr. Fatchi Arafat, seine Position als Direktor des palästinensischen Roten Halbmonds („Roter Halbmond" heißt das Rote Kreuz in der arabischen Welt, Anm. d. Übers.) dazu, um stark übertriebene Opferzahlen in Umlauf zu bringen. Am 10. Juni 1982 zum Beispiel veröffentlichte Dr. Arafat eine Erklärung, in der es hieß: „In den ersten paar Tagen des Krieges sind 10.000 Palästinenser umgekommen und 600.000 wurden heimatlos" – eine Lüge, die darauf abzielte, die Palästinenser als Opfer eines Völkermordes im Libanon hinzustellen. In Wirklichkeit betrug die Gesamtbevölkerung im Kriegsgebiet weniger als 300.000. Doch das Internationale Rote Kreuz und das Aktionskomitee für den Nahen Osten des Amerikanischen Freundesdienst-Komitees verbreiteten diese Zahlen – 10.000 Tote und 600.000 Heimatlose – an alle Medien in der gesamten Welt, und selbst die großen amerikanischen Fernsehsender übernahmen diese Darstellung. Jessica Savitch von NBC berichtete zum Beispiel: „Es wird geschätzt, dass 600.000 Flüchtlinge sich im Südlibanon befinden, ohne ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten."

 

Palästinensische Medienprofis machen sich keinerlei Gewissensbisse darüber, die Medien um des politischen Vorteils willen zu täuschen. Für ihren Versuch, die Welt davon zu überzeugen, dass die israelische Armee ein Massaker unter Hunderten von Zivilisten im Flüchtlingslager von Jenin im Zuge der Operation „Schutzschild" angerichtet habe, benutzten sie Tierleichen, um die Luft mit Verwesungsgestank zu verpesten – genau dort, wo man damit rechnete, dass Reporter und UN-Repräsentanten vorbeikommen würden. Die israelische Armee hat dieses Komplott auf Video festgehalten, ebenso wie sie auch ein inszeniertes Begräbnis filmten, bei dem der „Leichnam" beim Überflug eines israelischen Überwachungsflugzeugs aus seinem Sarg heraussprang und Deckung suchte.

 

Sind Sie der Ansicht, dass derartige Methoden kontraproduktiv waren?

 

Keineswegs. Solche Patzer bilden die Ausnahme. Die Palästinenser konnten große Erfolge verzeichnen bei der Manipulation der Bilder, die durch die Weltmedien gingen. Sie erzielten einen enormen Propaganda-Erfolg zu Beginn der zweiten Intifada, als ein palästinensisches Kamerateam, das für eine französische Fernsehgesellschaft arbeitete, die Schüsse auf den 11 Jahre alten Mohammed al-Dura filmte, den sein Vater während eines Gefechts an einer Straßenkreuzung in der Nähe von Gaza vergeblich zu schützen versuchte. Das Video, das entsprechend bearbeitet war, um die israelische Armee als herzlose Kindermörder zu porträtieren, passte perfekt in die palästinensische Darstellung des Konflikts. Die israelische Regierung tappte in die Falle und veröffentlichte eine Entschuldigung, noch bevor sie den Zwischenfall untersucht hatte. Mohammed al-Dura, das Wahrzeichen der zweiten Intifada, wird in die Geschichte eingehen als gefeierter Märtyrer des palästinensischen Volkes. Und dennoch ist die palästinensische Version über al-Duras Tod eine Lüge, eine Erfindung palästinensischer Medienprofis. Eine gründliche Untersuchung der israelischen Armee, die drei Wochen nach dem Zwischenfall veröffentlicht wurde und von einem deutschen Fernsehteam bestätigt wurde, belegte, dass die Kugeln, die auf den Jungen abgefeuert wurden, aus der Richtung gekommen waren, wo sich die Stellungen von palästinensischen Scharfschützen befanden, die einen israelischen Posten angegriffen hatten. Aber die Welt hatte die Schüsse auf al-Dura mitangesehen, eine – wie die Medien es nannten – Grausamkeit, begangen von israelischen Soldaten. Dieser Schaden konnte nicht wieder rückgängig gemacht werden - ebenso wie es unmöglich ist, Zahnpasta wieder zurück in die Tube zu drücken.

 

Wann traten diese palästinensischen Medienprofis zum ersten Mal in Aktion?

 

Im März 1984 half Ramonda Tawill, eine Medien-Expertin (die sechs Jahre später Jassir Arafats Schwiegermutter wurde), der PLO den palästinensischen Pressedienst (PPS) aufzubauen. Ihr Ziel war es, Journalisten, die die Palästinensergebiete besuchten, zu betreuen, und Trainingseminare für den Umgang mit den Medien abzuhalten. Der PPS schloss sich dann mit dem palästinensischen Informationszentrum für Menschenrechte (PHRIC) zusammen mit dem Ziel, das Image der PLO zu verändern. Statt des Images einer dieser Befreiungsbewegungen, wie sie in den 60er Jahren populär waren, erhielt die PLO jetzt das Image einer Organisation, die für die Rechte der Opfer israelischer Menschenrechtsverletzungen kämpft. In PHRIC-Seminaren wurden die Teilnehmer darin geschult, jedes Medien-Interview auf die gleichen Themen hinzulenken: die israelische Besatzung, illegale Siedlungen, Menschenrechtsverletzungen und das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge.

 

Ganz gleich auf welche Frage sollten diese Themen immer wieder aufgegriffen werden. Ich weiß das aus erster Hand; unsere Agentur hat nämlich regelmäßig, unsere Praktikanten als Teilnehmer bei Tawills Kursen angemeldet.

 

Einen ihrer großen "Erfolge" erzielte Tawill im Mai 1985, nachdem Israel mehr als tausend verurteilte PLO-Terroristen im Austausch gegen sieben israelische Soldaten freigelassen hatte. Um die Aufmerksamkeit der Medien von ihren Verbrechen abzulenken, drillte Tawill die freigelassenen Terroristen darauf zu betonen, sie seien in den israelischen Gefängnissen als "politische Aktivisten" und wegen ihrer "Unterstützung des palästinensischen Nationalismus" gefoltert worden.

 

Ich hörte von dieser Taktik durch mehrere Schüler Tawills in einem Medienkurs, an dem ich im Mai 1986 teilnahm. Sie erklärten mir, dass durch diese Methode der Monopolisierung der Interviewzeit mit Foltergeschichten die Journalisten jedes Mal gezwungen waren, das Interview zu beenden, noch bevor sie Zeit hatten, die Terroristen danach zu fragen, aufgrund welcher Handlungen es denn zu ihrer Verhaftung und Gefängnisstrafe gekommen sei. Damals erlaubte es der israelische Geheimdienst Reportern nicht, die Gefängnisakten von Sicherheitshäftlingen einzusehen; und so kam es, dass über die Verbrechen dieser Terroristen in den Medien so gut wie gar nichts berichtet wurde.

 

Wurde das PHRIC generell als eine glaubwürdige Menschenrechtsorganisation anerkannt?

 

Absolut. So etwa ab der zweiten Hälfte des Jahres 1989 gaben internationale Menschenrechtsorganisationen bereits routinemäßig die Informationen, die vom PHRIC hervorgebracht wurden, 1:1 wieder. Das PHRIC hatte sich seinerseits inzwischen sogar finanzielle Unterstützung der Ford-Stiftung gesichert und Büros in Chicago und Washington eingerichtet. In einer Ansprache an die Medien in Jerusalem im November 1989 sagte Richard Reoch, Sprecher von Amnesty International, dass seine Organisation die PLO, vertreten durch die PHRIC, als objektive Informationsquelle betrachte. "Da die PLO nicht Teil irgendeiner Regierung ist," sagte er, "haben wir von Amnesty keine Probleme, sie als Informationsquelle zu benutzen." Und ein Sprecher der amerikanischen Botschaft teilte mir im Februar 1989 mit, die PHRIC habe über jeden Zweifel erhabene Belege ihrer Glaubwürdigkeit geliefert.

 

Wie erhalten palästinensische PR-Profis heutzutage ihre Ausbildung und wer finanziert das?

 

Die Palästinensische Akademische Gesellschaft für Internationale Angelegenheiten (PASSIA) veranstaltet Kurse und stellt mehr als 30 Handbücher über Öffentlichkeitsarbeit, Umgang mit den Medien, Spendenwerbung, Kommunikation, Einflussnahme auf die Politik und Rhetorik zur Verfügung. PASSIA bildet palästinensische Akademiker, die im Ausland unterrichten, darin aus, wie sie die palästinensische Sache an Universitäten fördern können. Zusätzlich wird in den USA lebenden Palästinensern beigebracht, wie sie arabische Unterstützer in jedem Kongressbezirk finden können und wie sie Mitglieder des Kongresses dafür gewinnen können, die palästinensischen Sache politisch und finanziell zu unterstützen.

 

Und wer finanziert PASSIA? Die US-Agentur für Internationale Entwicklung (USAID), eine Initiative des amerikanischen Außenministeriums, unterstützt PASSIA und 18 weitere PR-Firmen in Jerusalem mit mehr als 1 Million US-Dollar pro Jahr. Erst im März dieses Jahres wurden Kongressmitglieder auf diese Hilfsgelder aufmerksam, nachdem ein Mitglied des Komitees für internationale Beziehungen im US-Repräsentantenhaus entdeckte, dass USAID Zahlungen für palästinensische PR-Arbeit zur Verfügung stellte. Der Kongressabgeordnete Eliot Engel aus dem Bundesstaat New York las PASSIAs PR-Handbuch und meinte mit ungläubigem Staunen: „Wir, der amerikanische Kongress, bezahlen sie tatsächlich dafür, dass sie uns gegenüber ihre Interessen vertreten!"

 

Was haben die Israelis dieser palästinensischen Strategie entgegengesetzt, Israel als Verletzer der Menschenrechte hinzustellen?

 

Die Israelis befinden sich ständig in der Defensive. Es scheint, dass sie aus dieser Schublade, in die die Palästinenser sie gesteckt haben, nicht herauskommen können. Den Palästinensern ist es dadurch, dass sie den Konflikt als ein Menschenrechtsthema dargestellt haben, gelungen, viele Journalisten zu überzeugen, dass zumindest zu einem gewissen Teil jeder Akt des Terrorismus gegen israelische Zivilisten kein Verbrechen darstellt, sondern eine legitime Reaktion auf Menschenrechtsverletzungen.

 

Wie sieht die organisatorische Struktur der palästinensischen Öffentlichkeitsarbeit aus und wie unterscheidet sie sich von der der Israelis?

 

Die größte palästinensische Medienorganisation, das Medien- und Kommunikationszentrum Jerusalem (JMCC), wird von der Europäischen Union und der Ford Stiftung finanziell stark unterstützt. Unter der Leitung von Dr. Ghassan Khatib, einem engen Vertrauten von Jassir Arafat, bietet JMCC ausländischen Medien qualitativ hochwertigen professionellen Service - preisgünstige Kamerateams, Übersetzer, Fotografen und auch Transportmittel, ebenso tägliche Presseinformationen, Kurzberichte und Interviewpartner.

 

Die israelische Regierung stellt den ausländischen Journalisten zwar stapelweise Presseinformationen zur Verfügung, aber überlässt die Versorgung mit Kamerateams und Übersetzungsdiensten dem Privatsektor. Kein israelisches Fernsehteam kann mit dem stark subventionierten JMCC konkurrieren, das daher im Großen und Ganzen den Markt für Mediendienste für die ausländische Presse erobert hat. Die ausländische Presse ist vollständig angewiesen auf das palästinensische technische Personal, das somit einen starken Einfluss hat auf die Darstellung und auf die Bilder, die in den westlichen Medien erscheinen.

 

Haben die Palästinenser auch eine Öffentlichkeitsarbeit in Washington?

 

Ihr Repräsentant in Washington ist Edward Abington, der amerikanischer Konsul in Jerusalem war, als USAID in den 90er Jahren begann, PASSIA zu finanzieren, und der jetzt als bezahlter ausländischer Abgesandter für die PLO in Washington arbeitet. Abington koordiniert die Information von JMCC, PASSIA und anderen palästinensischen Informationsagenturen und stellt den palästinensischen Kampf in ein moderateres Licht, was oft nichts anderes bedeutet als Schadenseindämmung. Zum Beispiel schickt Abingtons Büro jedes Mal, wenn Arafats Miliz für einen Terroranschlag die Verantwortung übernimmt, schnell ein Statement an die Medien, in dem Arafats Beteiligung verneint wird.

 

Dies geschah zum Beispiel im November 2000, als die Fatah-Organisation der PLO öffentlich in den amerikanischen Radio- und Fernsehsendern der PBC mit den Worten zitiert wurde, dass sie die Verantwortung für einen Anschlag auf einen Schulbus in der Nähe von Kfar Darom übernehme, bei dem zwei Lehrer ums Leben kamen und drei Geschwister so schwer verstümmelt wurden, dass sie ihr Leben lang Invaliden sein werden. Doch CNN berichtete, dass die PLO diesen Anschlag verurteilt habe. Ich rief das Büro für Auslandsberichterstattung in Atlanta an, um wegen dieser gegensätzlichen Aussagen nachzufragen. Die Person im Büro, eine 19jährige Praktikantin, sagte mir, dass sie einen Anruf von Abingtons Büro in Washington erhalten habe, gefolgt von einem Fax, das eine Beteiligung der PLO verneinte.

 

Abington versorgt außerdem die Presse und die amerikanische Regierung mit "Übersetzungen" von Arafats Reden. Am 15. Mai 2002 hielt Arafat eine Rede vor dem palästinensischen Legislativrat, in der er die Verträge von Oslo mit dem zehn Jahre dauernden Friedensvertrag zwischen Mohammed und dem jüdischen Stamm von Koresch verglich, einem Vertrag, den der Gründer des Islam zwei Jahre später zerriss, als seine Truppen stark genug geworden waren, um den jüdischen Stamm abzuschlachten. Präsident Bush erklärte, Arafat habe in seiner Rede "die passenden Worte" gefunden.

 

Als unsere Nachrichtenagentur die amerikanische Botschaft in Israel fragte, ob bereits die gesamte Rede zu Bush geschickt worden sei, antworteten die Angestellten der Botschaft, dass Bush von der Rede bis jetzt noch gar nichts erhalten habe. Wir riefen daraufhin in Abingtons Büro an, wo man uns sagte, dass man dem Präsidenten eine Übersetzung der Rede zur Verfügung gestellt habe. Daraus ist ersichtlich, dass der Text, der von Abingtons Büro zur Verfügung gestellt wurde, eintraf, bevor irgendeine offizielle Aussendung vom Pressebüro des Botschafters eintreffen konnte. Die "passenden Worte" waren deshalb passend, weil sie Arafats kriegslüsterne Botschaft ganz einfach ausließen.

 

Sind die medizinischen Organisationen und Hilfsorganisationen der Palästinenser an diesem Medienkrieg beteiligt?

 

Ebenso wie die sogenannten palästinensischen Menschenrechtsorganisationen koordiniert die Vereinigung palästinensischer medizinischer Hilfskomitees (UPMRC), die von Dr. Mustafa Al-Bargouti geleitet wird (dem Bruder des inhaftierten Fatah-Tanzim-Führers Marwan Al-Bargouti), ihre Strategien mit Dr. Fatchi Arafats palästinensischem Roten Halbmond in Bezug auf die Verbreitung frei erfundener Berichte über die Verweigerung von medizinischer Hilfe und Folterung von Palästinensern durch die Israelis.

 

Es gab auch zahlreiche Fälle, in denen falsche Informationen, die von Quellen des UPMRC stammten, von US-Medien aufgegriffen wurden. Am 11. Juli 2001 zum Beispiel berichtete Associated Press, dass eine schwangere palästinensische Frau an einer israelischen Straßensperre erschossen wurde. In Wirklichkeit starb die Frau nicht und der Arzt, der dem AP-Reporter gesagt hatte, dass sie erschossen worden sei, hatte sie nicht einmal gesehen. Er war zu dieser Zeit in einer anderen Stadt. AP korrigierte sich am folgenden Tag und berichtete: „Israelische Soldaten haben, entgegen den ursprünglichen Aussagen von zwei palästinensischen Ärzten, eine schwangere israelische Frau nicht daran gehindert, eine israelische Straßensperre zu passieren."

 

Ein weiterer Fall: Ende Mai sendete der amerikanische Rundfunksender National Public Radio eine Doppel-Reportage über ein palästinensisches Selbstmordattentat in einem Straßenrestaurant in der Nähe von Tel Aviv, bei dem ein Kleinkind und seine Großmutter ums Leben kamen und andererseits über eine palästinensische Großmutter und ein Kind, die erschossen wurden, weil die israelische Armee sie fälschlicherweise für terroristische Eindringlinge hielt. Palästinensische Ärzte sagten den NPR-Reportern, dass die Leichname der palästinensischen Opfer verbrannt, verstümmelt und von einem israelischen Panzer zermalmt worden seien. NPR nahm diese unbestätigten Anschuldigungen in seinen Bericht auf. Als ich den Sprecher der israelischen Armee wegen dieser Anschuldigungen befragte, lachte er ungläubig auf, weil er es nicht fassen konnte, dass ein Journalist einer angesehenen Rundfunkanstalt solchen ungeheuerlichen Behauptungen Glauben schenken könnte. Aber das war tatsächlich der Fall.

 

Wie finanziert sich UPMRC?

 

UPMRC erhält jährlich 300.000 Dollar von den USA für Öffentlichkeitsarbeit. Und Dr. Arafats palästinensischer Roter Halbmond erhält 215.000 Dollar pro Jahr an amerikanischen Hilfsgeldern. Beide Organisationen befinden sich auf der Liste jener 59 palästinensischen Nicht-Regierungsorganisationen, die alle zusammen seit 1997 100 Millionen Dollar an US-Hilfsgeldern erhalten haben.

 

Glauben Sie, dass die Vereinten Nationen dazu beitragen, dass die Anliegen der palästinensischen Öffentlichkeitsarbeit gefördert werden?

 

Auf alle Fälle. Die „Hilfs- und Arbeitsagentur der Vereinten Nationen" (UNRWA) betreibt eine professionelle Mediendienststelle und einen Nachrichtendienst, der sich UNRWA TV-Netz nennt; beide befinden sich in dem UNRWA-Flüchtlingslager von Ain el-Helweh im Libanon. UNRWA kooperiert mit den Mediendiensten der PLO und der palästinensischen Rundfunkanstalt PBC, wenn es darum geht, die ausländische Presse mit Informationen und Dienstleistungen zu versorgen. Die vom UNRWA herausgegebene Literatur beschäftigt sich großteils mit den Anliegen von Flüchtlingen, die in Flüchtlingslagern untergebracht sind, bis sie „zurückkehren können in ihre Heimat"; diese „Heimat" umfasst nach ihrer Lesart nicht nur die Gebiete, die Israel 1967 einnahm, sondern auch all jene Gebiete, die Israel im Zuge des Unabhängigkeitskriegs von 1948 einnahm.

 

Die UNO hat sich darauf festgelegt, die palästinensischen Araber als Opfer darzustellen. In dem Buch „Zeugen der Geschichte: Die Notlage der palästinensischen Flüchtlinge", einem von mehreren Büchern, die von UNRWA verbreitet werden, bestätigt die UNO auf Seite 13, dass alle Flüchtlinge und deren Nachkommen ein Recht auf Kompensierung und Wiedererlangung ihrer eigenen Häuser und ihres Landes haben. Herausgegeben wurde das Buch von der palästinensischen Medienagentur MIFTAH, die von der bekannten palästinensischen Sprecherin Hanan Aschrawi geleitet wird und im Auftrag der kanadischen Regierung operiert.

 

Wie unterscheiden sich Palästinenser und Israelis in ihrem Umgang mit den Medien?

 

Professionell ausgebildete palästinensische Sprecher präsentieren sich gewöhnlich als einfache Leute aus dem Volk und Amateure. Sie treffen sich mit westlichen Journalisten in ärmlichen Hotels in Jerusalem oder Ramallah oder vor einem Flüchtlingscamp als Kulisse. Diese Taktik ist sehr erfolgreich gewesen, um das Image der Palästinenser als unterdrücktes und geschundenes Volk zu verstärken. Ein Interview mit einem Palästinenser in einer Gasse mit brennenden Reifen, wo die Kugeln über den Kopf hinwegpfeifen, nimmt die Vorstellungskraft der Redakteure gefangen, die das Hauptgewicht auf den Unterhaltungswert legen – hier entfaltet sich das menschliche Drama vor ihren Augen.

 

Wenn hingegen ausländische Korrespondenten offiziellen Sprechern Israels begegnen, werden sie häufig von eleganten Regierungssprechern in luxuriösen Hotels begrüßt, in gut ausgerüsteten Medien-Zentren oder in modernen Büros. Israelische Pressesprecher leiden unter drei falschen Vorstellungen: erstens dass formelle, professionell verpackte Veröffentlichungen überzeugend wirken; zweitens dass ausführliche Erklärungen der Geschichte des Konflikts effektiver seien als O-Töne, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass es sich um eine gerechte Sache handelt; und drittens dass die moralische Korrektheit ihrer Handlungen und ihres Anliegens jedem vernünftigen, klar denkenden Menschen völlig einleuchten müsste.

 

In diesem Sinne sagte der israelische Außenminister Schimon Peres einmal: „Gute politische Maßnahmen sind gute Öffentlichkeitsarbeit; sie sprechen für sich selbst." Leider lag Peres da falsch. Eine Lüge kann mächtiger sein als die Wahrheit, wenn man die Lüge so gut vermarktet, dass die Leute sie glauben können.

 

Ein weiteres Problem der israelischen Öffentlichkeitsarbeit ist, dass sie in geradezu sträflicherweise unkoordiniert ist und sich teilweise selbst widerspricht. Nachrichten werden von mindestens vier verschiedenen Stellen herausgegeben - von der israelischen Armee, vom Außenministerium, vom Büro des israelischen Ministerpräsidenten und vom Verteidigungsministerium – und manchmal vermittelt jede dieser Stellen eine andere Botschaft. Am 28. Oktober 2001 zum Beispiel gab der israelische Außenminister Schimon Peres israelischen und ausländischen Nachrichtenagenturen zahlreiche Interviews, worin er erklärte, dass Arafat für die derzeitige Welle der Gewalt nicht verantwortlich sei. Als Beweis präsentierte er die Tatsache, dass die palästinensische Autonomiebehörde erst vor kurzem mehrere Hamas-Terroristen verhaftet habe. Am selben Tag jedoch veranstaltete der Geheimdienst der israelischen Armee eine Pressekonferenz für mehr als hundert Journalisten, bei der Beweismaterial präsentiert wurde, dass Arafat und seine Fatah-Organisation mit den Terroraktivitäten der Hamas in Verbindung stehen.

 

Ein israelischer Militärsprecher erklärte, wie die Hamas-Terrorgruppen direkt vor den Augen der Sicherheitskräfte der palästinensischen Autonomiebehörde ihr Training und ihre Aktivitäten durchführen, und er versorgte die Medien mit Dokumentationsmaterial, welches belegt, dass die Hamas als offizieller Bestandteil der Sicherheitskräfte von Arafats palästinensischer Autonomiebehörde in Gaza operiert. Er zeigte auch auf, dass zwei gesuchte Hamas-Terroristen, die für den palästinensischen Sicherheitsdienst arbeiteten, am Morgen des 28. Oktober bei dem Anschlag auf die Bushaltestelle von Hadera vier Frauen getötet und fünfzig Zivilisten verwundet haben.

 

Im Gegensatz zu diesen offensichtlich unkoordinierten Botschaften von israelischer Seite richten sich die Sprecher der autokratisch geführten palästinensischen Autonomie strikt und diszipliniert nach der Parteirichtlinie, indem sie ganz einfach die Standardlitanei der Klagen über Unterdrückung, Besatzung, Menschenrechtsverletzungen, Rassismus, usw. wiederholen.

 

Warum glauben Sie, hatte die israelische Regierung in den letzten Jahren solche Schwierigkeiten, ihre Sicht der Dinge den westlichen Medien zu vermitteln?

 

Meiner Ansicht nach beging Israel 1986 seinen größten Fehler, als der israelische Außenminister Schimon Peres und sein Stellvertreter Dr. Yossi Beilin die Richtlinie für den Umgang der Regierung mit der PLO revidierten. Sie baten das Außenministerium, die Veröffentlichung der PLO-Charter einzustellen, aus der die Forderung nach der Zerstörung des Staates Israel nie gestrichen wurde. Sie sorgten auch dafür, dass das Ministerium aufhörte, die PLO als Feind zu definieren. In zahlreichen Pressekonferenzen, die das Ministerium in den späten 80er Jahren abhielt, erklärten Peres und Beilin, dass die Zeit gekommen sei, den Kampf gegen die PLO in die Vergangenheit zu verbannen. Dieser Politikwechsel von Peres und Beilin im Jahr 1986 hat der amerikanischen Regierung den Weg geebnet, zwei Jahre später die PLO anzuerkennen.

 

Die israelische Regierung gab den Palästinensern zwischen 1993 und 2000 während des sieben Jahre dauernden Oslo-Friedensprozesses eine Trumpfkarte in die Hand, indem sie die terroristischen Angriffe und die doppelzüngigen Reden der palästinensischen Führung, die auf Englisch eine Friedensbotschaft präsentierte und auf Arabisch eine Botschaft des Krieges, herunterspielte. Um zu verhindern, dass der Oslo-Friedensprozess zusammenbrach, beschlossen sowohl die israelische als auch die amerikanische Führung im Jahr 1993, die täglichen Aufrufe in den Radio- und Fernsehsendern der palästinensischen Autonomie zu einem neuen Krieg gegen Israel nicht zu beachten.

 

Das ging so weit, dass 1995, als das Institut für Friedenserziehung, das unsere Agentur aufzubauen half, Videoaufnahmen von Arafats Reden herausbrachte, in denen er zum Dschihad (Heiliger Krieg) aufrief, der israelische Premierminister Yitzak Rabin und Außenminister Schimon Peres das israelische Fernsehen baten, keine der Reden von Arafat auf Arabisch auszustrahlen. Im September 1995 ging Peres so weit, dass er den Repräsentanten Ben Gilman, den Vorsitzenden des Komitees für internationale Beziehungen im amerikanischen Repräsentantenhaus bat, keine Sonderuntersuchung abzuhalten, in der die Videoaufzeichnungen von Arafats Reden geprüft werden sollten. Das Komitee ignorierte jedoch dieses Ansuchen.

 

Die "Sag's nicht weiter"-Politik ging unter der Regierung von Netanjahu von 1996 bis 1999 weiter. Während Netanjahus Büro wöchentlich Berichte über die Propaganda der palästinensischen Autonomiebehörde für die Mitglieder der eigenen Likud-Partei herausgab, bestätigte ein altgedienter Beamter der Netanjahu-Regierung, dass die Berichte absichtlich dem Außenministerium und den israelischen Medien vorenthalten worden seien. Im Oktober 1998, als ich als Berichterstatter an der Konferenz von Wye teilnahm, fragte ich die israelische Botschaft, warum man dieses Material nicht veröffentliche. Die Antwort lautete: "Die israelische Regierung spielt die Realität von Arafats palästinensischer Autonomieregierung herunter, um nicht die amerikanische Regierung vor den Kopf zu stoßen." Die Regierung von Ehud Barak, die im Mai 1999 an die Macht kam, ging dann sogar so weit, dass sie heimlich, still und leise in den Friedensverträgen von Oslo die Klausel strich, die die palästinensische Autonomiebehörde verpflichtete, die Propaganda gegen Israel einzustellen.

 

In welcher Hinsicht unterscheiden sich Palästinenser und Israelis in ihrer Behandlung ausländischer Journalisten?

 

Die israelische Armee erklärt oft ganze Gebiete zu Sperrzonen für die Medien, was in etwa die gleiche Wirkung hat, wie wenn man einem Stier eine rote Fahne vorhält. Ein Reporter vermutet dann logischerweise sofort, dass Israel etwas zu verbergen hat. Ein ausländischer Reporter, der anonym bleiben möchte, meinte mir gegenüber, dass Israel einen „groben Fehler" gemacht habe, als „die israelische Armee das gesamte Westjordanland während der Operation Schutzschild für Journalisten sperrte und damit Tür und Tor öffnete für wilde Gerüchte, die von palästinensischen Sprechern sehr geschickt unter die Leute gebracht wurden. Wir hatten keinerlei Möglichkeiten, die Gerüchte zu überprüfen, und vielen von uns blieb nichts anderes übrig, als in Form von „er sagte ..."- und „sie sagte ..."-Sätzen zu berichten. Wenn dann natürlich große Fernsehsender Palästinenser-Sprecher in Live-Sendungen interviewen und ihnen erlauben, ihre Anschuldigungen zu machen, dann stehen diese Aussagen im Raum und uns bleibt nur noch, darauf zu reagieren."

Die palästinensische Autonomiebehörde hingegen gerät nur selten in Konfrontation mit der ausländischen Presse. Zu einer seltenen Ausnahme kam es im Oktober 2000 als zwei israelische Soldaten in der Polizeistation von Ramallah gelyncht wurden. Die grausame Szene wurde von einem italienischen Fernseh-Team gefilmt und ins Ausland geschickt, ohne zuvor durch die palästinensische Zensur zu gehen. Die palästinensische Autonomiebehörde verlangte eine Entschuldigung und das Versprechen, dass so etwas nicht noch einmal passieren dürfe – oder der Sender würde seine Ermächtigung verlieren, von palästinensischem Gebiet aus zu berichten. Die Italiener sagten „mea culpa" und versprachen, ihre Gastgeber nie wieder zu blamieren. Wir baten daraufhin einen unserer Mitarbeiter, nach Rom zu fliegen und dieses italienische Fernsehteam zu interviewen. Die Leute von dem Fernseh-Team erzählten uns ohne Umschweife, wie sie von Sicherheitsbeamten der palästinensischen Autonomiebehörde erpresst worden seien, einen Entschuldigungsbrief vorzulegen.

 

Welchen Rat würden Sie der israelischen Regierung geben, um ihr Image in den westlichen Medien zu verbessern?

 

Statt Reporter auszusperren aus „militärischen Sperrgebieten", sollten die israelische Armee und Regierung journalistische Berichterstattung über jedes Ereignis ermöglichen, unabhängig davon, wie unangenehm das Ereignis oder wie gefährlich die Situation auch sei. Journalisten an ihrer Arbeit zu hindern oder, wie in einigen wenigen Fällen geschehen, sogar in ihre Richtung zu schießen, trägt nicht gerade zur Freundschaft mit den Medien bei.

 

Ich glaube, um die Beziehungen zur Öffentlichkeit zu verbessern, wäre es für Israel am besten, wenn es seine menschlichen Beziehungen verbessern würde. Positiv ist, dass Israel endlich begonnen hat, Korrespondenten mit genaueren und nützlichen Hintergrundinformationen zu versorgen wie zum Beispiel Medienpakete, CD-ROMS und genaue Beschreibungen der Persönlichkeitsprofile von Israels Feinden. Aber statt den Reportern die Möglichkeit zu geben, selbst zu den Kampfschauplätzen zu gelangen, zieht Israel es vor, sie fernzuhalten. Kurz gesagt muss Israel beginnen, Journalisten mit weniger Argwohn und mehr Respekt zu behandeln.

 

Glauben Sie, dass viele westliche Journalisten von vornherein ein anti-israelisches Vorurteil haben, oder gibt es andere Faktoren, die sich zugunsten der palästinensischen Darstellung auswirken?

 

Ich stimme mit der Einschätzung von Dr. Mike Cohen überein, einem Analysten für strategische Kommunikation in Jerusalem und Reserveoffizier der israelischen Armee, der behauptet, dass die meisten ausländischen Journalisten nicht von Anfang an anti-israelisch, anti-semitisch oder pro-palästinensisch eingestellt sind. Sie werden jedoch sehr leicht durch die palästinensische Manipulation überzeugt, die vor allem auf dem Mangel an Vorwissen bei Reportern und Redakteuren aufbaut - in Kombination mit Zeitmangel und dermfehlenden Interesse, die Fakten gründlich zu beleuchten.

 

Ein weiterer Faktor ist die Angst, Zugang zu den palästinensischen Quellen und den logistischen Hilfsmitteln zu verlieren, wenn ihre Berichte feindselig erscheinen. Darüber hinaus werden nicht-palästinensische Reporter absichtlich behindert und eingeschüchtert, wenn sie versuchen, über Ereignisse zu berichten, die für die palästinensische Autonomiebehörde peinlich sein könnten. Ich weiß von verschiedenen ausländischen Journalisten, die über Fälle von Aufhetzung zur Gewalt unter den Palästinensern berichtet hatten und daraufhin keinen Zutritt mehr erhielten zu palästinensischen Pressekonferenzen.

 

Gibt es in den palästinensischen Medien selbst kritische palästinensische Stimmen?

 

Man hört selten eine kritische Meinungsäußerung von palästinensischer Seite, weil jeder, der die palästinensische Autonomiebehörde öffentlich kritisiert, damit rechnen muss, inhaftiert oder sogar hingerichtet zu werden. Den ausländischen Medien wird gesagt – und sie berichten das auch pflichtschuldigst – dass die betreffende Person ein Kollaborateur gewesen sei. Zum Beispiel berichtete BBC Anfang März 2002 von der Hinrichtung von zwei Palästinensern, die von der palästinensischen Autonomiebehörde der Kollaboration bezichtigt worden waren. Als das BBC-Team die Familien der beiden Opfer interviewte, entdeckte es, dass beide in der Vergangenheit in Opposition zur palästinensischen Autonomiebehörde gestanden hatten und dass sie beide ganz offen Arafat kritisiert hatten. Laut Aussagen des BBC-Korrespondenten waren diese Männer Dissidenten, nicht Kollaborateure. Aber der weltweite Dienst von BBC beschloss, diese Story nicht zu bringen.

 

Für wie wichtig halten Sie, zusammenfassend, den PR-Faktor im israelisch-palästinensischen Konflikt?

 

Für absolut entscheidend. Solange westliche Journalisten von der palästinensischen Autonomiebehörde ein Bild zeichnen, das sie als Verteidiger der Menschenrechte darstellt und Israel als brutale Besatzungsmacht, werden weiterhin Entwicklungshilfegelder der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union in die Kassen der palästinensischen Autonomiebehörde fließen, ohne nennenswerten Protest der Öffentlichkeit dagegen, dass einige dieser Gelder zur Finanzierung der Intifada genutzt werden – einschließlich der Bezahlung von Selbstmordattentätern, wie die Dokumente, die in Arafats Büro während der Operation „Schutzwall" gefunden wurden, eindeutig beweisen. Solange palästinensische PR-Profis weiterhin diktieren, welche Story die Medien ausstrahlen, werden die Israelis weiterhin als Bösewichte und die Palästinenser als Opfer dargestellt werden. Es ist an der Zeit, das Drehbuch zu wechseln.

 

 

Übersetzung und Abdruck mit Genehmigung des Journals "Reform Judaism", herausgegeben von UAHC (Union of American Hebrew Congregations), http://uahc.org/rjmag

 

 

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